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… denn die Kunst ist eine Tochter der Freiheit … Friedrich Schiller


Als Österreicherin hab ich noch nie eine Sendung von Jan Böhmermann gesehen, mir reichen Stermann und Grissemann. Erst heute ist mir die ganze Tragweite dieser Böhmermann-Geschichte bewusst geworden und ich habe zu recherchieren begonnen. Ich finde die Böhmermann Satire über Erdogan wirklich lustig, ganz böse, voll bitterschwarzem Humor. Das Lied, auf das er reagiert, bietet Satire mit wesentlich feinerer Klinge. Ich finde es total in Ordnung zu diskutieren ob Böhmermann da nicht zu weit gegeangen ist, das muss einem nicht gefallen. Ich find es unglaublich lustig wie er es gemacht hat, verstehe aber auch Leute die sagen das geht zu weit. Kunst darf nicht alles. Aber die Art und Weise wie das nun läuft finde ich echt sonderbar.

In Östereich sind Stermann und Grissemann wohl das Pendant zu Böhmermann. Sie haben in 15 Folgen Heinz Fischer, den österreichischen Bundespräsidenten so richtig durch den Kakao gezogen. Schaut euch doch mal dessen Reaktion an.


So wünsche ich  mir die Reaktion eines Europäers auf Satire. Im letzten Jahr war so oft die Rede von: Alle die kommen müssen unsere Werte annehmen.
Ich frage mich in letzter Zeit so oft... Was sind sie denn, die viel gepriesenen europäischen Werte? Mich beschleicht immer wieder das Gefühl, dass wir westenlich höhere Ansprüche an die Tugendhaftigkeit und Werte der Miganten haben, als an unsere eigene Tugendhaftigkeit oder die unserer Dorfnachbarn.

Ich denke nicht, dass Jan Böhmermann einem leidtun muss. Er hat ja absichtlich gezündelt. Ich halte es mit Voltair: „Ich bin nicht eurer Meinung, aber ich werde darum kämpfen, dass Ihr eure Meinung ausdrücken könnt.“

Kämpfen mit Worten wohlgemerkt. Satire ist so ein "Wortkampf". Kunst kann auch Widerstand sein.


Kommentare on "… denn die Kunst ist eine Tochter der Freiheit … Friedrich Schiller"
  1. Word!
    Und die europäischen Werte ... leider schon längst im A.
    Lieben Gruß
    Anneliese

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  2. Die "Böhmermann-Affaire" zeigt vor allem eins sehr deutlich, nämlich wie tief wir im Schlamassel stecken durch den Türkei-Deal...der stank von Anfang an zum Himmel...LG Lotta.

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  3. Liebe Eva, solcherlei Gedanken mache ich mir auch, danke dir. Lieben Gruß Ghislana

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  4. Tja, aber dass zwei Wochen dieses Jurisprudenz - Seminar in der gesamten Republik abgehalten wurde, fand ich angesichts vieler zu lösender gesellschaftlicher Fragen ziemlich überflüssig. Ansonsten halt ich es mit Voltaire...
    Dir ein schönes Wochenende?
    ( Ach so: Wer oder wo ist der Kohlkopf? )
    Astrid

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  5. Ja, Eva, da halte ich es genauso wie Voltaire. Und ich denke, damit stehe ich hier nicht allein.
    Erich Kästner schrieb mal: "Was immer geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken."
    Wenn es nicht gerade so ein Trauerspiel wäre, was da gerade auf der politischen Bühne vorgeführt würde, dann könnte man sich über kakaotrinkende Paschas den Ast lachen (hoffentlich wird jetzt nicht wieder irgendwo ein Botschafter einberufen...)
    So schade, dass es das gute alte politische Kabarett in Deutschland kaum noch gibt.
    Die Reaktion Eures Bundespräsidenten finde ich gut. Wer Humor beweist, zeigt Souveränität.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  6. Hast du gut gesagt! Und die Fischer'sche Reaktion finde ich "liab" ;o)
    [Ich bin übrigens gespannt, was bzw. WER nachkommt!]
    Herzlichst, die Traude
    http://rostrose.blogspot.co.at/2016/04/a-new-life-4-leben-ohne-palmol.html
    ♥∗✿≫✿≪✿∗ ♥ ✿ ♥ ∗✿≫✿≪✿∗♥

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  7. gut geschrieben,
    ich nicke gerade und stimm dir voll zu!

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  8. Du sprichst mir aus der Seele! Und ich grüble auch schon länger was diese, von Flüchtlingen gewünschten österreichischen Werte, wohl sein mögen. Die scheinen mir nämlich in der Theorie wesentlich mehr wert zu sein, als in der Praxis...

    Glg
    Claudia

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  9. Eine Wartediskussion ist wohl in Europa hochfällig. Schließlich lebt eine echte Demokratie in ihren Bürgern und nicht in ihren Politikern. Viele Europäer verhalten sich aber seit langem als hätte alles um sie herum mit ihnen nichts zu tun.
    Da kommt der Böhmermann schon rechtzeitig und regt alle die Coach-potatoes zum diskutieren an.

    Wir sind lange faul rumgesessen. Es wird Zeit wieder mehr nach - und mitzudenken!

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  10. Eine Diskussion über unsere Werte ist hochüberfällig. Ich habe ja in letzter Zeit den Eindruck, dass da einige sehr wirre Vorstellungen haben davon, was Demokratie heißt und wofür unsere Großeltern und davor noch deren Eltern gekämpft haben und auch reichlich gestorben sind.

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  11. Tja, ich weiß nicht wie ich das finden soll. Hier ist ein dicker Streit zu Hause entbrannt. Sicher war das schon wirklich sehr mies, was Böhmermann da geschickt vom Zaun gebrochen hat und von sich gegeben hat. Aber da muss man doch drüber stehen können als Führungsgewalt eines Landes! Dieser "Präsident" macht mich wirklich wütend...

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  12. Ich finde das Schmähgedicht auch nicht besonders geschmackvoll, aber er hat ja vorher gesagt, dass es das nicht sein würde. Ich finde, so etwas muss einfach jeder ertragen können. Merkel mit Hitlerbart war auch geschmacklos und der Stinkefinger von Varoufarkis ebenso. Aber der hat darüber lachen können. Nein, E's Ziel ist einfach nur M unter Druck zu setzen. Ich fand die Kungelei mit der Türkei schon à kotzer aber das find ich jetzt genauso schlimm. Es wird M einen Haufen Stimmen kosten. Widerlich das Ganze! Birgitt

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  13. Was mich an dieser "Affäre" am meisten erschüttert, ist dieses "in-die-Knie-Gehen" vor der Eitelkeit eines Staatschefs.
    Wie du sagst, Böhmermann muss einem nicht Leid tun, aber die Frage stellt sich schon, wen triffts als Nächsten?
    Alles Liebe und danke für deinen Post, Babsy

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  14. huch,ich suche gerade meinen kommentar! wahrscheinlich hab ich mal wieder nicht die speicher-taste gedrückt...
    nein, das böhmermann gedicht ist wahrlich keine höchstleistung, sondern eher peinlich, aber der kotau von frau merkel erst recht nicht. mir gefällt das von holunder erwähnte zitat von erich kästner und mit herrn voltaire stimme ich voll überein.
    liebe grüße, mano

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