Seit gut zwei Monaten ist dieses Leiberl nun fertig und dämmert in den tiefen meines Kastens dahin. Warum?
Nicht etwa wegen der scheußlichen Passform. Wer mag kann die Ich-will-auch-ein-Raglan-Leiberl-Geschichte hier nachlesen.
Nein, nein!
Die Geschichte spielt montags. Ich komme mit dem frisch genähten Shirt in die Schule, ein leichtes Jäckchen darüber. Die Fuchsohren blitzen gerade mal so raus. Der erste Schüler, D., bemerkt: "Du hast ja eine neues Leiberl! Was ist denn da drauf?" "Das zeige ich euch im Morgenkreis", ist meine geheimnisvolle Antwort. Ich wollte nicht 20 extra Bestaunungen, so viel Ahs und Ohs sind fürs Ego fast schon zu viel.
Der Morgenkreis beginnt, die ersten Kinder erzählen vom Wochenende, dann kommt C. dran.
"Ich muss euch was erzählen."
Eindringliche Stimme, gekonnter Augenaufschlag.
Ich freue mich auf die Geschichte, weiß ich doch dass C. ein wirklich gutes Erzähltalent hat.
"Es ist was wirklich Schlimmes passiert."
Dramatischer Seufzer folgt.
"Nicht, dass ihr euch fürchtet,..."
Dramatische Pause.
Ich überlege ob ich schon mal die Taschentuchpackung holen soll.
C. ist einfach ein begnadeter Gschichtldrucker.
"Ich war bei meiner Oma. Die hat ja drei Gänse..."
Aaaaaahaaaaa?
"Also sie hat drei Gänse gehabt. Jetzt..."
Laaaange Pause.
"Jetzt lebt nur mehr eine."
Ich habe ganz unauffällig meinen Zipp ein Stückchen höher geschoben
und das Tuch ein wenig tiefer gezupft.
"Überall sind die Federn rumgelegen.
Meine Oma hat gemeint, da ist bestimmt der Fuchs gekommen."
Ab da hab ich nur mehr inständig gebetet, dass D. mein Leiberl vergessen hat...
Hat er auch! C.s Talent sei Dank war meine Wochenendgeschichte vollkommen überflüssig. Nun ist wohl ein wenig Gras über die Sache gewachsen. Nun traue ich mich es anzuziehen.